Beim Gedanken an eine Psychotherapie in der Gruppe sind viele Patientinnen und Patienten zunächst skeptisch. Was, wenn die Probleme der anderen zusätzlich belasten? Oder wenn es schwerfällt, die eigene Gefühlswelt vor fremden Menschen offenzulegen?
«Solche Sorgen vor der ersten Sitzung sind völlig normal», sagt Prof. Petra Beschoner, Fachärztin für Psychiatrie und Psychosomatik. Eine Gruppentherapie kann aber für viele Betroffene auch eine hilfreiche Erfahrung sein. Besonders die starke Akzeptanz, die Teilnehmende in der Gruppe erleben, könne häufig enorm entlasten, sagt die ärztliche Leiterin der Akutklinik Bad Saulgau.
Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle:
Eine Gruppentherapie sollte nicht als «abgespeckte Alternative» zur Einzeltherapie verstanden werden. Beide Therapieformen hätten unterschiedliche Schwerpunkte und könnten sich ergänzen. In der Einzeltherapie ließen sich persönliche Themen besonders individuell bearbeiten. In der Gruppe könnten dagegen soziale Erfahrungen und Beziehungsmuster unmittelbar sichtbar werden.
Auch Studien deuten darauf hin, dass Gruppentherapie bei bestimmten psychischen Erkrankungen wirksam sein kann. Für einzelne Störungsbilder zeigen Metaanalysen eine vergleichbare Wirksamkeit von Gruppen- und Einzeltherapie.
Ob eine Gruppentherapie geeignet ist, hängt unter anderem vom Krankheitsbild, der persönlichen Situation und dem aktuellen Unterstützungsbedarf ab. Das sollte in einer psychotherapeutischen Sprechstunde oder im Gespräch mit der behandelnden Fachkraft geklärt werden. Auch eine Kombination aus Einzel- und Gruppentherapie ist möglich.
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
(23.09.2026)
